Claudia Tomaschewski

Als ich die Wände hochging. 

Ich dachte immer, man müsse wütend sein, um die Wände hochzugehen. Und das Gehen wäre dann auch viel mehr ein Stampfen oder Rasen. Ich aber bin gestern in einer überraschenden Gemächlichkeit die Wände hochgegangen. Nein. Hochspaziert. Hochgeschlendert. Hochflaniert. Haben eigentlich nur noch ein Gehstock und ein hübscher Hut gefehlt. Dabei ist mir aufgefallen, dass Wände Ohren haben. Die habe ich zuvor niemals bemerkt. Zu einigen habe ich mich heruntergebeugt, um ihnen etwas zuzuflüstern. Da sind sie wie Mimosen zusammengeschrumpft und sahen aus wie Ohren von Hundertjährigen. Dann bin ich an die Decke gegangen. Dort blieb ich für eine Weile, um zu gucken, wie es sich von dort gucken lässt und was man alles sehen kann, was man von da unten nicht sieht. Einiges. Zum Beispiel, wie Du im Quadrat gesprungen bist. Also von unten konnte man es erahnen, aber von hier oben hat man es ganz eindeutig erkannt. Wie Du gesprungen bist von Wand zu Wand, alle Viere. Streng genommen im Rechteck gesprungen. Denn unser Wohnzimmer ist gar nicht quadratisch.