Claudia Tomaschewski

Ausbreitungen & Zusammenschrumpfungen 

 

eine etymologische Annäherung an das Thema 

Gegenteiliges: 
Aus-brei-tung — Ein-en-gung 
Aus-wei-tung — Be-gren-zung 
An-we-sen-heit — Ab-we-sen-heit 

Ähnliches: 
Hin-wen-dung – Hin-ge-bung 
Hin-ga-be – Zu-nei-gung 

Das, was weggeht: 
Ent-fer-nung 
Fort-gang 

gegensätzliche Verben: 
fort-ge-hen — hin-ge-hen 
fort-ja-gen — an-lo-cken 
weg-neh-men — ver-ge-ben 
ver-schwin-den — er-schei-nen 

Was braucht Raum?
ausdehnen, sich strecken, ausholen, rausholen, darlegen, darbieten, drehen, rumspringen, radschlagen, rumlaufen, hin- und herlaufen, ausschütten, verteilen, verschmieren, 

Was spart Raum ein?
kauern, zusammenrollen, einrollen, zusammenfalten, stapeln, aufeinanderlegen, ineinanderstecken, verbinden, zusammenknoten, bücken, ducken, (ver-)kriechen, verstecken, dazwischenlegen, dazwischenschieben, drunterlegen, drauflegen, daraufstellen  

Paranoia (gr. pará = neben, noûs = Verstand), die entsteht, während man versucht, sich in einer Situation zurechtzufinden, die einen auf irgendeine Weise überfordert oder anstrengt; zu viel Information, zu viel Unsicherheiten und Zweifel, sodass man sucht und sucht und sucht, bis man eine Erklärung gefunden hat, die einen überzeugt und weil die Sehnsucht nach Verstehen und Überzeugung so groß ist und die Zeiten des Zweifels und der Unsicherheit so intensiv und prägend waren, lässt man sich in die gefundene Erklärung, also entstandene Überzeugung ganz und gar hineinfallen, sodass ihr letztlich zu viel Glaube geschenkt wird und alles andere nach ihr ausgerichtet werden muss – das bisherige Weltbild (erneut) in Schieflage gerät (obwohl man meint, es wieder geradezurücken), man schließlich paranoid wird, weil alles andere, was nicht hineinpasst oder die neue Überzeugung hinterfragt, anzweifelt, kritisiert als etwas Feindliches wahrgenommen wird und bekämpft werden muss.

Phobie (gr. phóbos = Furcht), in heutiger Zeit kommen da ganz viele zusammen, die zuvor latent und nun überdeutlich spürbar sind: Angst vor Menschen, Angst vor öffentlichen Plätzen, Angst vor geschlossenen Räumen, Angst vor Viren, Angst vor Tod, Angst vor Alleinesein (social distancing), Angst vor Menschenansammlungen.. 

Wahn – uen, wennan, gleicher Wortstamm wie bei wähnen, wünschen und gewinnen – alle Begriffe verweisen auf ein inneres Streben. Auch wohnen, gewöhnen, Wonne, Venus gehören in dieses Wortfeld – hier sind es emotionale Zustände der Behaglichkeit und Lust, die diese Worte auf der assoziativen Bedeutungsebene verbinden. 

das Weite suchen

Jemanden an die Wand drücken (Jemanden ausschalten, jemanden aufhalten) Mit dem Rücken zur Wand stehen (keinen Ausweg kennen) die Wände hochgehen (durchdrehen, rasen vor Wut)

Ich stehe ganz nah vor der Wand. Ich höre die Worte, die ich spreche, als spräche sie ein anderer. Ich rieche meinen Atem, als würde ich den Atem eines anderen riechen. So dicht dränge ich mich an die harte kühle Fläche, dass ich (endlich wieder) die Wärme und Weicheit (m)eines Körpers/Leibes spüre.
„Was fragst du viel; Wo will's hinaus?
Wo oder wie kann's enden?
Ich dächte, Freund, du bliebst zu Haus
und sprächst mit deinen Wänden.“ (Goethe) 

sich in seine/r Höhle verkriechen

Platons Höhlengleichnis

aus dem Häuschen sein

an die Decke gehen

wenn die Decke auf den Kopf fällt

weiträumig
einer Sache, einem Gedanken Raum geben
etwas einräumen (Zweifel, Bedenken) 

Raum, Zimmer, Stube, Kammer, Bude, Kabuff, Zelle, Bunker, Kerker

jemandem auf die Pelle, den Pelz rücken
aus der Haut fahren – nicht aus seiner Haut können – in die Haut fahren
auf der faulen Haut liegen

etw. bewegen wollen (etw. verändern wollen)
bewegt sein (berührt sein)
bewegte Zeiten erleben
(unruhige Zeiten, Umbrüche, Erfolg, Misserfolg, Schicksalsschläge, polit. & soz.
Ereignisse)

Seitensprung
Kapriolen schlagen 
sich auf den Kopf stellen 

Frische Luft ist wichtig! 
und er blies ihm ein den lebendigen Odem (Belebung durch das Atemgeben Gottes; jemandem/etw. Leben einhauchen)

das verschlägt einem ja den Atem
jemandem die Luft zum Atmen nehmen
aufatmen
Luftsprünge
machen
es liegt etwas in der Luft in der Luft hängen (im Ungewissen sein)
die Luft ist rein (alles ist in Ordnung)
dicke Luft (Stress, Ärger)
Luft haben (Bewegungsfreiheit)
seinem Herzen Luft machen
Halt mal die Luft an! (Beruhige Dich!)
jemanden an die Luft setzen (Jmd. rausschmeißen)
die gleiche Luft atmen
jemanden wie Luft behandeln (Jmd. ignorieren)
jemanden/etw. in der Luft zerreissen (wütend über etwas/ auf Jmd. sein)
das ist doch aus der Luft gegriffen (erfunden)

Diesseits & Jenseits – Innenraum & Außenraum – Die Haut als Grenze zwischen Individuen und zwischen diesen und der Welt.