Claudia Tomaschewski

Zwischen Himmel und Erde 

oder: 

Warum wir wohnen 

Mit dem Bewohnen einer Behausung (Wohnung, Haus) anerkennt der Mensch sich als Hybrid, als Zwischenwesen. Als Wesen, das sich weder den Tieren, noch den Göttern zugehörig fühlt, weder der Natur noch dem Himmelreich. So muss er zu sich hin, um sich zu erkennen und darin Heimat zu finden. Daher macht der Mensch auch so viel Aufhebens um die Kultivierung seines Menschseins. Er muss wissen, was und wer er ist. Er hält es nicht aus, darüber im Unklaren zu sein. Abgrenzung ist dabei eine große Hilfe. Haut, Haus, Mauer. Ebenso pflegen die Menschen sich untereinander abzugrenzen. Haut, Haus, Mauer. Der Menschenkörper selbst ist ein Zwischending. Er kriecht nicht mehr, aber Flügel sind ihm auch (noch) nicht gewachsen. Daher schreitet er. Der Schreitende. Der Schreiende. Das Schrei-Ende. Durch Kultivierung. Innehalten. Drin behalten. Die Wohnung als Exil, als etwas, das geschaffen werden musste, um zu überleben. Nicht, um irgendwann zurückkehren zu können. Dafür müsste man erst mal wissen, woher man kam.

Das, was der Mensch von Natur aus nicht kann, eignet er sich über Prothesen, Substitutionen, Ersatzhandlungen und Nachahmungen an. Die nackte Haut wärmt ihn nicht, so wirft er sich in Stoffe. Und die Stoffe schützen ihn nicht vor den Naturgewalten und Tieren, also baut er erst ein Dach und schließlich drumherum die Wände. Das Haus als weitere Schutzschicht, die vor dem Leben schützt und es ermöglicht.

Wohnen als Kultivierung des Eigenen und Anderen, Fremden. Wenn der Mensch nicht wohnen, sich nicht so konkret vom Anderen abgrenzen würde, gäbe es dann ein so starkes Empfinden von Fremdheit? Eine so spürbare Trennung von mir und den anderen? Von meinem und Deinem? Von hier und dort? Wohnen bringt eine systematische Installation und Kultivierung des Fremden mit sich. Zugleich bietet Wohnen einen einigermaßen verlässlichen Schutz. Durch die Gewöhnung an Sicherheit und Wärme reagiert der Mensch womöglich jedoch zunehmend empfindlich nicht nur auf Kälte, sondern auf alles, was sich außerhalb seiner Schutzhüllen befindet. It begins with lächerliche Nachbarschaftsstreitigkeiten and goes further bis zu Fremdenhass. Of course there a viele, viele shades in between. 

Wohnen verbindet Freiheit und Gefangenschaft
Wohnen macht unabhängig und abhängig
Wohnen als Heraustreten und Hineingehen
Wohnen als Ort des Verlassens und der Rückkehr 
Wohnen als Beginn und Ende einer Reise 

Wohnen verstärkt das Echo des Menschen. Verkürzt den Weg vom Ausruf zum Widerhall. Die Möglichkeit zur Selbstreflexion drängt sich auf. Das Wohnen als in-der- Welt-Sein. Zuvor wohnte der Mensch auch in der Welt. Aber in der vorgegebenen und ohne sein Zutun vorhandenen, die auch noch zahlreiche Gefahren barg. Durch den Bau eines Hauses um sich herum, artikuliert der Mensch sein Verständnis von dieser Welt und seinem in-der-Welt-sein. Er gründet seine Identität, indem er sich von dem, was ist, abgrenzt. Er verwandelt das schon Dagewesene und nicht-von-ihm-Geschöpfte in ein gegenwärtig Errichtetes und durch seine Hände Geschaffenes. Der Mensch als Schöpfer. Wohnen als Vergegenwärtigung des menschlichen Daseins in der Welt oder: des Menschen in der Welt